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Weshalb wir dringend Geld in die Hand nehmen und mehr Freiraum in Schule schaffen sollten



Heute ist der Antikriegstag 2023, der Slogan:


Die Welt braucht Frieden!


Diese Woche waren 60 SchülerInnen zwischen 14 und 16 Jahren, 8 KollegInnen und ich auf einer wunderbaren Klassenfahrt in wunderschönen Prag. Ich habe selten eine Stadt gesehen, mit so vielen gut erhaltenen Gebäuden. Straßen über Straßen von hübschen Häusern, Kirchen, Kathedralen, Burgen – Gebäuden voll Geschichte – mit Liebe und Geduld in einer anderen Zeit erschaffen und erhalten.


Prag, das in der Mitte Europas liegt, hatte während des Zweiten Weltkriegs keine große strategische Bedeutung für die Alliierten oder die Achsenmächte. Die Stadt lag weit entfernt von den damaligen Frontlinien des Krieges. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Prag von der sowjetischen Armee befreit, als die deutschen Truppen sich bereits zurückzogen oder kapitulierten. Obwohl die Stadt von Deutschland besetzt war und die Bewohner politische und soziale Repressionen erlebten, die sie stark beeinträchtigten, blieben größere Kämpfe oder Zerstörungen in Prag aus.


Frieden ist und bleibt ein aktiver und organischer Prozess und benötigt unser kontinuierliches Engagement – unser tägliches Entscheiden, innezuhalten und Schritte für die Liebe, in Richtung einer friedlicheren Welt zu unternehmen.


Vielleicht sollten wir es jetzt mit der Liebe versuchen, weil die Angst die letzten 10.000 Jahre wohl keinen Erfolg gebracht hat.

Gerald Hüther


Um ein Werkzeug des Friedens zu werden, können wir Wissen erwerben, z. B. durch Dokumentationen, Berichte oder Artikel. Dadurch schaffen und entwickeln wir ein tieferes Verständnis dafür, warum Frieden so wichtig ist. Ebenso hilft das Engagement und das Teilhaben in einer Gemeinschaft, die sich für Konfliktlösung, demokratische Prozesse, Völkerverständigung und Abrüstung einsetzt. Wir können unsere Konsumgewohnheiten, die indirekt Konflikte durch den Kauf von Produkten, die unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt wurden, unterstützen, beleuchten.


Doch all dies steht und fällt folglich mit der Bereitschaft und Offenheit, sich selbst weiterzuentwickeln und zu bilden, sowie einer Kultivierung des persönlichen Friedens.


Dies geschieht durch innere Arbeit an unseren eigenen Kommunikationsfähigkeiten, Konfliktlösungsstrategien und unserem Mitgefühl, sowie durch vielseitige lebendige Erfahrungen und Reisen wie unsere Klassenfahrt nach Prag.


Wissen, sowie positive und lebendige Erfahrungen helfen dabei Samen zu sähen für Offenheit, Neugierde und die Bereitschaft ein Teil der Lösung zu sein. Wir haben aus uns heraus Bock, zu einem friedlicheren Umfeld beizutragen und wollen lebenslang lernen, besser mit unseren Konflikten auf individueller Ebene umgehen. Damit sind wir fähig, kompetent und präventiv größeren Konflikten entgegenzutreten.

Zurück nach Prag und unserem Bildungssystem.


Eine Kollegin, Dagmar Schäfer, Grundschullehrerin in BW und Mitinitiatorin des Volksantrags, hat es folgendermaßen auf den Punkt gebracht:


30 Jahre Tiefschlaf im Bildungssystem lassen sich eben nicht mit „Schreibhelden„, „Leseprofis", „Starken Kids' oder sonstigen putzigen Aktionen ausgleichen.


Je nach Quelle:

  • das Kultusministerium geht von 12.000 Lehrerinnen und Lehrer aus, die fehlen, laut Lehrerverband sind es 40.000

  • ¾ der Lehrkräfte geht vor der Rente aus dem Beruf

  • ⅓ der Studierenden hält durch, der Rest bricht vorher ab


Unsere Missstände im Bildungssystem als Art plötzlicher Naturkatastrophe darzustellen, ist ein Akt der Verzweiflung und fortwährender Ignoranz.


Vor 10 Jahren saß ich mit einem Freund in einer Kneipe und wir unterhielten uns über dies und jenes. Er erzählte mir damals von seiner Wehrdienstzeit bei der Bundeswehr. Wir lachten gemeinsam tränen, über seine eindrucksvolle und deprimierende Zeit beim Bund: Nicht funktionierendes Übungsgerät, fehlende Wolldecken, abgekürzte Grundausbildungen, weil es einfach an allem fehlte – Material und Personal.


Tragischerweise erblicken wir das Gleiche bei der Bildung.


Die Bildungslandschaft wurde todgespart.


Ein Beispiel:


In NRW sind aktuell 6700 Stellen nicht besetzt. Das sind knapp 300 Millionen Euro (!).

Geld, welches die letzten Jahre für Personal nicht ausgegeben wurde. Mit 300 Millionen könnte jede der ca. 5000 Schulen in NRW mehr als 50.000 € im Jahr zusätzlich zur Verfügung gestellt werden. Und damit – unbürokratisch, eigenverantwortlich – stundenweises Personal, Hilfe bei Planung, Renovierung, Verschönerung und Gestaltung, Material etc. bereitgestellt werden.


Wird’s aber nicht!


Fahrten, Ausflüge, Praktika, einfach ALLES, was in der „Realworld“ für die SchülerInnen stattfindet, kostet Geld, benötigt Begleitung und kann – wenn es gut begleitet ist – ein Gewinn für alle sein.


Doch eben nur, wenn wir personell und finanziell gut aufgestellt sind.


Wir beklagen, dass unsere Kinder uns Jugendlichen wenig praktische Erfahrungen haben und sperren sie für über 10.000 Stunden in unsere Schulgebäude ein, mit einem nicht mal bescheidenen Output. Obwohl wir wissen, dass genau solche Erlebnisse, wie z. B. eine Klassenfahrt, außerschulische Lernorte, Projekte in denen gemeinsam, in der Gruppen und für den Einzelnen relevantes und bewegendes passiert, Kernerfahrungen sind für:


  • Stabile Beziehungen

  • für eine gute Schulgemeinschaft

  • für eine professionelle Unterrichtsgestaltung

  • den Lebensweg der SchülerInnen

  • den Lebensweg von uns LehrerInnen


Doch viele von uns scheuen sich vor der Öffnung nach außen, durch Fahrten, regelmäßige Ausflüge etc. schlicht wegen der Ressourcen, die es benötigt. Auch wenn es möglich ist, als ein Lehrer 30 Kinder in einer Klasse zu betreuen und Ausflüge zu planen und sich tolle Sachen auszudenken, ist es in einem todgesparten System anstrengend und kräftezerrend.


Die sogenannten schönen Sachen fallen dann weg. Uns fehlen dadurch allerlei interessante Erfahrungen, um Beziehungen zu vertiefen, auf neue Ideen zu kommen und jungen Menschen positive Erfahrungen zu ermöglichen, die auf lange Sicht immer zu mehr Offenheit, Bereitschaft mitzuwirken und folglich zu Frieden führen.


Was bedeutet der Wert Frieden für dich?

Stehst du für Frieden ein?


Schreib mir gern in die Kommentare – ich freue mich auf Austausch




Interessieren dich die Themen – Schule, Bildung und Gesundheit?

Und die Frage, wie du am besten deinen Beitrag leisten

und dich trotzdem nicht kaputt machen oder an falscher Stelle aufopfern brauchst?


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Ich freue mich auf einen lebendigen Austausch und eure Erfahrungen

Eine gute Zeit wünscht euch Fabian Surrey





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